Unsicher, ob dieses Problem zu deiner Pflanze passt?
Prüfe dein Schadbild mit der 5-Fragen-Diagnose oder lade Fotos für eine genauere Einschätzung hoch. Noch mehr Infos findest du in unserem Guide.
Pythium bei Cannabis: Braune Wurzeln, Welke und Wurzelfäule erkennen
Pythium bezeichnet eine Gruppe pilzähnlicher Organismen, die zur Gruppe der Oomyceten oder Eipilze gehören. Verschiedene Pythium-Arten können Cannabiswurzeln und den Stammgrund infizieren. Typische Folgen sind braune und weiche Wurzeln, gehemmtes Wachstum, gelbe Blätter, Welke und bei jungen Pflanzen die sogenannte Umfallkrankheit. Mehrere Pythium-Arten wurden als Ursache von Wurzel- und Kronenfäule bei Cannabis nachgewiesen.
- braune und weiche Wurzeln
- abgestorbene Wurzelspitzen
- gelbe oder hängende Blätter
- stark gebremstes Wachstum
- Umfallkrankheit bei Keimlingen und Stecklingen
Schadbild
Oberhalb des Substrats wirkt eine von Pythium befallene Pflanze häufig wie falsch gegossen. Die Blätter hängen, obwohl das Substrat feucht ist. Später können sie blassgrün oder gelb werden. Das Wachstum stagniert und die Pflanze bleibt deutlich kleiner als gesunde Vergleichspflanzen.
An den Wurzeln beginnt die Erkrankung häufig mit braunen Wurzelspitzen oder einzelnen verfärbten Bereichen. Mit fortschreitendem Befall werden Seitenwurzeln weich, glasig oder schleimig. Die äußere Wurzelhaut kann sich beim leichten Ziehen ablösen, sodass nur ein dünner innerer Strang zurückbleibt. Pythium kann außerdem vom Wurzelsystem in den Wurzelhals beziehungsweise Stammgrund übergehen.
Bei Keimlingen und jungen Stecklingen kann der Stamm direkt an der Substratoberfläche dünn, dunkel und weich werden. Die Pflanze knickt anschließend um. Dieses Schadbild wird als Umfallkrankheit oder Damping-off bezeichnet. Pythium und Fusarium gehören zu den möglichen Auslösern.
3-Minuten-Check auf Pythium
1. Sind die Wurzeln weich statt nur verfärbt?
Dünger und organische Zusätze können Wurzeln braun färben. Verdächtiger sind eine weiche, wässrige oder schleimige Struktur und absterbende Wurzelspitzen.
2. Löst sich die äußere Wurzelhaut ab?
Wenn die äußere Schicht leicht abrutscht und ein dünner fadenartiger Kern zurückbleibt, spricht dies für fortgeschrittene Wurzelfäule.
3. Hängt die Pflanze trotz nasser Wurzelzone?
Pythium zerstört funktionsfähiges Wurzelgewebe. Dadurch kann eine Pflanze welken, obwohl im Substrat oder Hydro-System ausreichend Wasser vorhanden ist.
4. Ist der Stammgrund dunkel oder eingesunken?
Dunkle, feuchte oder eingesunkene Stellen am Übergang zwischen Wurzel und Stamm können auf eine Kronen- beziehungsweise Wurzelhalsfäule hinweisen.
5. Nutzen mehrere Pflanzen dasselbe Wasser?
Pythium kann über verunreinigtes Wasser, Substrat, Pflanzenreste, Töpfe und Werkzeuge verbreitet werden. In rezirkulierenden Hydro-Systemen kann sich der Erreger deshalb auf mehrere Pflanzen verteilen.
Was begünstigt Pythium?
Pythium wird besonders problematisch, wenn Wurzeln bereits durch ungünstige Bedingungen geschwächt sind. Häufige Risikofaktoren sind:
- dauerhaft nasses Substrat
- schlechte Drainage
- Sauerstoffmangel in der Wurzelzone
- abgestorbene Wurzeln und Pflanzenreste
- verunreinigte Bewässerungssysteme
- gemeinsam genutztes Drain- oder Umlaufwasser
- unsaubere Töpfe und Werkzeuge
- infizierte Stecklinge oder Jungpflanzen
- warmes, schlecht belüftetes Wurzelmilieu
Nicht jede Staunässe bedeutet automatisch Pythium. Sie kann jedoch geschädigte Wurzeln erzeugen und Bedingungen schaffen, unter denen Wurzelpathogene leichter Schaden verursachen.
Sofortmaßnahmen bei Pythium-Verdacht
Befallene Pflanze isolieren
Trenne die Pflanze von gesunden Pflanzen. Unterbinde insbesondere gemeinsam genutztes Drain- oder Umlaufwasser.
Wurzelzone kontrollieren
Untersuche Wurzeln, Stammgrund und Substrat. Dokumentiere die Veränderungen mit Fotos, bevor stark geschädigte Bereiche entfernt oder entsorgt werden.
Stark befallene Pflanzen entfernen
Ist ein großer Teil des Wurzelsystems weich oder verfault und beginnt die Pflanze zusammenzubrechen, ist eine Rettung unsicher. Stark befallene Pflanzen sollten zusammen mit dem Wurzelballen aus dem Bestand entfernt werden.
Substrat nicht wiederverwenden
Befallenes Substrat, abgestorbene Wurzeln und Pflanzenreste dürfen nicht in neue Töpfe oder Anzuchtschalen gelangen.
Töpfe und Werkzeuge reinigen
Entferne zunächst Erde, Wurzelreste und organische Verschmutzungen. Reinige anschließend Töpfe, Scheren, Schalen und Arbeitsflächen mit einem dafür geeigneten und nach Herstellerangabe verwendeten Hygienemittel.
Wurzelbedingungen korrigieren
Sorge für freien Ablauf, ein luftiges Substrat und ausreichend Sauerstoff im Hydro-System. Eine Behandlung ohne Beseitigung der Ursachen führt häufig zu einem erneuten Problem.
Typischer Fehler: Jede braune Wurzel als Pythium einstufen
Braune Wurzeln können auch durch organische Dünger, Huminstoffe, abgestorbene Einzelwurzeln, Sauerstoffmangel, Fusarium oder andere Erreger entstehen. Eine sichere Bestimmung der Pythium-Art ist allein anhand eines Fotos normalerweise nicht möglich. Für eine eindeutige Diagnose sind Laborverfahren wie Kultur, Mikroskopie oder molekulare Tests erforderlich.
Pythium oder einfache Staunässe?
Bei reiner Staunässe ist das Substrat zu nass und die Pflanze zeigt Sauerstoffstress. Werden die Bedingungen rechtzeitig korrigiert, kann sie sich wieder erholen.
Bei Pythium kommt eine Infektion hinzu. Die Wurzeln werden zunehmend weich, faulen und verlieren ihre äußere Zellschicht. Der Schaden kann sich trotz korrigiertem Gießverhalten weiterentwickeln.
Ampelsystem
Grün: Bedingungen korrigieren
- Substrat war zu nass
- Wurzeln sind überwiegend fest
- kein fauliger Geruch
- Pflanze erholt sich nach besserer Drainage
Gelb: Isolieren und beobachten
- einzelne braune Wurzelspitzen
- verlangsamtes Wachstum
- gelbe oder hängende Blätter
- mehrere Pflanzen im gleichen System
Rot: Befall wahrscheinlich fortgeschritten
- Wurzeln sind weich oder schleimig
- Wurzelhaut löst sich ab
- Stammgrund ist dunkel und eingesunken
- Pflanze fällt um oder kollabiert
- Krankheit breitet sich im Bestand aus
Pythium vorbeugen
Beginne mit sauberen Töpfen, sauberem Substrat und gesundem Pflanzenmaterial. Entferne abgestorbene Wurzeln und Pflanzenreste zeitnah. Lass Töpfe nicht im Drain stehen und verhindere, dass ablaufendes Wasser von einer Pflanze zur nächsten gelangt.
In Hydro-Systemen müssen Tanks, Schläuche, Pumpen, Leitungen und Pflanzplätze regelmäßig kontrolliert und zwischen den Kulturen gründlich gereinigt werden. Gute Hygiene, angepasstes Bewässern und die Überwachung der Wurzelzone gehören zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen.
Häufige Fragen
Ist Pythium ein Pilz?
Pythium wird oft als Wurzelfäulepilz bezeichnet, gehört biologisch aber zu den pilzähnlichen Oomyceten.
Kann sich eine Pflanze von Pythium erholen?
Bei sehr frühem und begrenztem Befall ist eine Erholung möglich. Sind große Teile des Wurzelsystems verfault oder ist der Stammgrund betroffen, sinken die Erfolgsaussichten deutlich.
Ist Pythium ansteckend?
Der Erreger kann über Wasser, Substrat, Pflanzenmaterial, Töpfe, Schuhe und Werkzeuge verschleppt werden.
Kann ich befallenes Substrat wiederverwenden?
Davon ist abzuraten. Wurzelreste und Substrat können infektiöses Material enthalten und die nächste Pflanze gefährden.
Helfen zusätzliche Nährstoffe?
Nein. Mehr Dünger repariert keine verfaulten Wurzeln und kann eine geschwächte Wurzelzone zusätzlich belasten.
Passende interne Links:
- Staunässe bei Cannabis vermeiden
- Wurzelfäule bei Cannabis
- Cannabis-Wurzelprobleme
- Überwässerung bei Cannabis
- Hängende Cannabisblätter
- Kleine Pflanzen und Wachstumsstopp
- Foto-Diagnose